Theodor-Wolff-Preis 2022: Ukrainischer PEN-Präsident Andrej Kurkow überreicht den Sonderpreis Pressefreiheit
Am Abend des 22. Juni 2022 gab der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) in Berlin die Namen der Preisträger bekannt. Bei der Verleihung des renommierten Journalistenpreises hebt der ukrainische PEN-Präsident die Relevanz der freien Presse in Kriegszeiten hervor.
Den Sonderpreis gewinnt das Zentrum für Pressefreiheit in Lwiw, das gemeinsam von IMI (Institut für Masseninformation) und Reporter ohne Grenzen (RSF) getragen wird. „Wir möchten damit vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine die Journalistinnen und Journalisten ehren, die häufig unter Gefahr für das eigene Leben aus der Ukraine berichten“, sagte der Vorsitzende des Kuratoriums für den Theodor-Wolff-Preis, Helmut Heinen, zugleich Herausgeber der „Kölnischen Rundschau“. Der Sonderpreis wurde anlässlich des 60-jährigen TWP-Jubiläums gestiftet und ist wie die übrigen Auszeichnungen mit 6.000 Euro dotiert.
Die weiteren Preisträger der begehrten Auszeichnung sind:
In der Kategorie Reportage zeichnet die Jury Johannes Böhme mit „Die andere Seite der Medaille“ (Süddeutsche Zeitung Magazin, München) aus. Der Text über fünf für persönliche Tapferkeit im Afghanistan-Krieg geehrte Soldaten sei „ein Zeitdokument“; es zeige mit starken Bildern, „was es heißt, im Krieg zu sein“. Anhand der gut geschriebenen und rekonstruierten Situationen würden aus „die Bundeswehr“ Einzelschicksale.
Ingo Meyer erhält den Preis in der Kategorie Meinung mit „Das Märchen vom Gendersterntaler“ (Berliner Zeitung). Das sei ein hinreißender, mutiger Text gegen den Mainstream, würdigte die Jury. Der Autor beleuchte ohne jede Polemik die Genderfrage, ein „Thema, über das gerade in jeder Redaktion hitzig diskutiert“ werde. Meyer beschreibe mit der Kraft des Arguments und der Kompetenz den „Übereifer in der Diskussion, der zu Absurditäten in der Sprache führt“.
In der Kategorie Bestes lokales Stück erkennt die Jury Judith von Plato mit „Gustavs letzter Gang“ (Märkische Allgemeine Zeitung, Potsdam) die Ehrung zu. „Vorbildlich, präzise, in einer eigenen Sprache mit lauter kurzen Sätzen“ habe die Autorin den Weg eines Ochsen zum Schlachter ohne jede Wehleidigkeit oder Idealisierung nachgezeichnet.
Erfolgreich in der Kategorie Bestes lokales Digitalprojekt sind Christine Badke, Veit Ellerbrock und Team mit „Flutprotokolle“ (Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnische Rundschau, erschienen auf ksta.de und rundschau-online.de). Hier prämiert die Jury „die starke Leistung“ der Redaktion, die „aus dem Moment, aus der Katastrophe heraus schnell reagiert hat“ und weiter mit kurzen digitalen Videos über die Verheerungen der Unwetter Mitte Juli 2021 an der Ahr berichtete, als sich das nationale Interesse längst wieder anderen Themen zugewandt hatte.
Beim Thema des Jahres „Deutschland hat die Wahl – Wie Sieger zu Verlierern werden und umgekehrt“ vergibt die Jury den Preis an Caterina Lobenstein und Stephan Lebert mit „Der Letzte seiner Art“ (Die Zeit, Hamburg). Die beiden Autoren hätten, so die Jury, mit ihrem „beeindruckenden Porträt des CDU-Sozialpolitikers Karl-Josef Laumann“ zugleich eine „scharfsinnige Analyse abgeliefert“, wie eine Großpartei von einem Milieu wegdriftet, das sie dringend bräuchte.
Der Theodor-Wolff-Preis erinnert an den langjährigen Chefredakteur des legendären Berliner Tageblatts, Theodor Wolff (1868 – 1943). Wolff musste 1933 vor den Nazis ins französische Exil fliehen, wurde dort verhaftet und der Gestapo ausgeliefert und starb 1943 im Jüdischen Krankenhaus in Berlin.
(jla) 29.06.2022


