„Stern“-Preis 2022 (ehemals Nannen-Preis) – der Journalistenpreis wurde verliehen
Am 22. Juni 2022 wurden in Hamburg die Gewinner und Gewinnerinnen im Rahmen einer Preisverleihung geehrt - allerdings noch ohne Preis-Trophäe, diese wird nachgereicht. Die aktuelle Debatte um die NS-Vergangenheit des Namensgeber und Stern-Gründer Henri Nannen hat Gruner+ Jahr im Vorfeld veranlasst, den Journalistenpreis in „Stern“-Preis umzubenennen.
Vier herausragende journalistische Arbeiten wurden in vier Kategorien vergeben:
Die Spiegel-Story "Warum Reichelt gehen musste" wurde als "Geschichte des Jahres" geehrt. Die Autoren Isabell Hülsen, Juliane Löffler, Anton Rainer, Alexander Kühn, Martin U. Müller, Daniel Drepper, und Katrin Langhans sowie Marcus Engert freuen sich über die Auszeichnung. Bei dem Fall geht es um Machtmissbrauchsvorwürfe gegen den Ex-Chefredakteur von Deutschlands größter Boulevardzeitung, Reichelt musste schließlich den Konzern Axel Springer verlassen. Die Berichterstattung hatte auch deshalb viel Aufmerksamkeit in der Medienbranche erhalten, weil das Ippen-Team seine Recherchen nach Intervention des Ippen-Verlegers nicht in den eigenen Medien erstveröffentlichen konnte und sich dann mit den "Spiegel"-Kollegen zusammentat.
In der Königsdisziplin "Egon Erwin Kisch-Preis" für die beste Reportage gewannen Timofey Neshitov und Özlem Gezer mit ihrer "Spiegel"-Reportage "Die Hanau-Protokolle". Am 19. Februar 2020 hatte ein Deutscher im hessischen Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven erschossen. Das Journalistenteam sprach mit Angehörigen.
In der Kategorie "Lokal" gewannen die Journalisten Stella Vespermann, Andreas Neumann und Sebastian Manz mit einem Beitrag über Diskriminierung bei der Wohnungssuche. Dieser erschien bei Radio Bremen.
In der Kategorie "Investigativ" wurde das Autorenteam John Goetz, Bastian Berbner, Ole Pflüger, Ben Hopkins, Sabine Korbmann, Barbara Biemann, Johanna Leuschen, Kathrin Bronnert, Lukas Augustin, Poul-Erik Heilbuth, Dietmar Schiffermüller, Volker Steinhoff, Stefan Buchen und Gunnar Krupp für den Dokumentarfilm "Slahi und seine Folterer" über einen Guantanamo-Häftling ausgezeichnet.
Den Sonderpreis "Republik-Preis" erhielt der bekannte Journalist, Autor und Produzent Stephan Lamby für seine gesamte journalistische Leistung, er war per Video zugeschaltet.
"Vielleicht haben wir alle nicht genau genug hingeschaut. Und manchmal braucht es Anstöße von außen, um genauer hinzuschauen und die gab es." In der vergangenen Woche hatte das Verlagshaus die einmalige Umbenennung bekanntgemacht. Erklärte der Vorsitzende der "Stern"-Chefredaktion, Gregor Peter Schmitz zum Auftakt der Preisverleihung.
Gruner + Jahr will ein Gremium berufen, das über die künftige Verwendung des Namens für den Preis und für die Henri-Nannen-Schule beratend tätig sein wird. Bis Jahresende will man zu einer Entscheidung gelangen. Ferner wird ein externer Historiker die Lebensgeschichte Henri Nannens wissenschaftlich aufarbeiten, dies bestätigte Nannen-Witwe Eske Nannen.
(jla) 29.06.2022


