Günter-Wallraff-Preis 2022 geht an Julian Assange
Im Rahmen des 6. Kölner Forum für Journalismuskritik fand am 19. Mai 2022 im Funkhaus von Deutschlandradio die Preisverleihung des Günter-Wallraff-Preises statt. Die Moderation hatte Marlene Nunnendorf (Initiative Nachrichtenaufklärung) und die Laudatio hielt Birgit Wentzien (Chefredakteurin Deutschlandfunk).
Stellvertretend für Julian Assange nahm Stella Assange, die Juristin und Ehefrau, den mit 5.000 Euro dotierten Preis in Köln entgegen. In ihrer Rede sagte sie „die Auszeichnung könne zu keinem kritischeren Zeitpunkt kommen.“ „Das Verfahren gegen Julian ist politisch und die öffentliche Aufmerksamkeit hat den entscheidenden Einfluss darauf, wie es ausgehen wird. Durch die Verfolgung soll Julian zum Schweigen gebracht werden, um aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden – und mit ihm all die Tode der zehntausenden Zivilisten im Irak und Afghanistan, die er offengelegt hat."
Deutschlandfunk-Chefredakteurin Birgit Wentzien erinnerte in ihrer Laudatio daran, dass Julian Assange über die Enthüllungsplattform Wikileaks geheime Regierungsdokumente, Akten aus dem US-Gefangenenlager Guantanamo, diplomatische E-Mails und Beweise für Kriegsverbrechen im Irak veröffentlicht habe. „Missstände öffentlich zu machen, ist eine Kernaufgabe des Journalismus. Genau das hat Julian Assange getan. Er hat Geheimdokumente veröffentlicht, die ihm von seinen Quellen zugespielt wurden. Aber er hat diese Dokumente nicht selbst gesammelt oder gestohlen. Sollte Julian Assange dafür verurteilt werden, wäre das ein weltweiter Präzedenzfall und ein Zeichen der Abschreckung für Reporterinnen und Reporter auf der ganzen Welt. ‚Julian Assange betrifft uns alle‘“, so Birgit Wentzien.
Der seit 2015 bestehende Günter-Wallraff-Preis für Journalismuskritik wird von der Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) e.V. ausgeschrieben.
Der Medienkongress des Kölner Forum für Journalismuskritik befasste sich dieses Jahr mit den Themen „Berichten in Zeiten des Krieges“ und „Aktivismus in den Medien“. Das Forum wurde von der Deutschlandfunk-Nachrichtenredaktion und der Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) ins Leben gerufen, die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ist in diesem Jahr Mitveranstalterin.
(jla) 19.05.2022



