Axel Springer und Bild-Chef Julian Reichelt gehen getrennte Wege

Bild-Chef Julian Reichelt ist mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden - Foto: Axel SpringerBild-Chef Julian Reichelt ist mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden - Foto: Axel Springer

Der Berliner Medienkonzern Axel Springer hat 'Bild-Chefredakteur Julian Reichelt mit sofortiger Wirkung entbunden. Nach dem bereits im Frühjahr gegen ihn eingeleiteten Compliance-Verfahren sind jetzt nach einem Bericht der 'New York Times' neue Erkenntnisse zu dem Verhalten von Julian Reichelt gegenüber Mitarbeiterinnen zu Tage getreten. So habe der Vorstand des Unternehmens erfahren, dass der 'Bild'-Chefredakteur auch nach Abschluss des erwähnten Compliance-Verfahrens "Privates und Berufliches nicht klar getrennt und dem Vorstand darüber die Unwahrheit gesagt hat". In dem Compliance-Verfahren wurden Vorwürfe von Machtmissbrauch und die Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen untersucht.

Neuer Vorsitzender der dreiköpfigen Chefredaktion und Mitglied des 'Bild'-Boards wird Johannes Boie, 37, derzeit Chefredakteur der 'Welt am Sonntag'. Bevor er im Jahr 2017 zu Axel Springer kam, hatte Boie bei der Süddeutschen Zeitung als Reporter und Redakteur gearbeitet und das Paid-Content-Angebot der Zeitung entwickelt und geleitet. Alexandra Würzbach bleibt Chefredakteurin 'Bild am Sonntag' und verantwortlich für Personal- und Redaktionsmanagement. Claus Strunz ist als Chefredakteur für das Bewegtbildangebot verantwortlich.

Im Rahmen des Compliance-Verfahrens gegen Julian Reichelt gab es nie den Vorwurf sexueller Belästigung oder sexueller Übergriffe. Es gab aber den Vorwurf einvernehmlicher Liebesbeziehungen zu 'Bild'-Mitarbeiterinnen und Hinweise auf Machtmissbrauch in diesem Zusammenhang. Bewiesen und eingeräumt wurde laut Axel Springer eine frühere Beziehung zu einer Mitarbeiterin von 'Bild'. Umstritten blieb demnach, ob dieser Mitarbeiterin dadurch berufliche Vorteile gewährt wurde.

Darüber hinaus leitet das Axel Springer rechtliche Schritte gegen Dritte ein, die versucht haben, die Compliance-Untersuchung vom Frühjahr mit rechtswidrigen Mitteln zu beeinflussen und zu instrumentalisieren, laut eigenen Angaben "offenbar mit dem Ziel, Julian Reichelt aus dem Amt zu entfernen und 'Bild' sowie Axel Springer zu schädigen". Dabei geht es insbesondere um die verbotene Verwendung und Nutzung vertraulicher Protokolle aus der Befragung von Zeugen sowie die Offenlegung von Geschäftsgeheimnissen und privater Kommunikation.


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(mm) 19.10.2021

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